januar
Viele denken, die Welt sei eine Einbildung und wischen alles in ihrer Einbildung weg.
Sie schliessen zuerst die Augen und dann die Ohren und unterdrücken ihr ganzes Bewusstsein.
Denkt ihr, das sei die Wirklichkeit?
februar
Man kann die Vögel der Vorstellungswelt nicht daran hindern, in unser Bewusstsein zu kommen, um zu singen und zu zwitschern, aber man braucht nicht zu antworten.
Buddhas Wohnstätte existiert nicht in der äusseren Welt.
Jeder von euch ist eine Wohnstätte Buddhas.
Was der Buddha als "rechte Sicht" propagierte, ist vollkommenes Gewahrsein in diesem Augenblick und an diesem Ort, hier und jetzt.
Etwas als gut oder böse zu betrachten, ist eine Gewohnheit des Denkens.
Jeder Mensch ist in sein eigenes Denken verstrickt und mitten im weiten Universum in sich selbst gefangen.
Durchschneidet die Stricke und ihr seid frei.
Ein Papagei kann Worte wiederholen, ohne ihre Bedeutung zu kennen, und es gibt eine ganze Menge solche Papageien unter uns.
"Richtig" bedeutet im Buddhismus "ohne Ego".
Richtig handeln bedeutet deshalb, natürlich zu handeln, ohne Künstlichkeit, ohne Hintergedanken und ohne sich an bestimmte Gesetze zu klammern.
Die meisten Menschen überdecken die Tatsachen ihres Lebens mit Gedanken und halten diese Gedanken für wahr.
Wenn man den Körper ohne jedes Zweckdenken benutzt, weiss man für alles die exakte Zeit.
Wenn man ihn hingegen für die eigenen egoistischen Zwecke benutzt, spürt man den richtigen Zeitpunkt nicht.
Du glaubst, die Welt, in der du lebst, sei die einzige.
Doch als Mensch siehst du nur die Welt, welche der menschliche Geist mit Hilfe der fünf Sinne wahrnehmen kann.
Es existieren simultan viele Welten, die du nicht mit deinen Augen und deinem begrifflichen Denken wahrnehmen kannst.
Befreit euch von Erleuchtung!
Erwacht zu diesem Leben!

Wer war Sokei-an?

Sokei-an Shigestu Sasaki (1882-1945) kam als junger Mann 1906 in die USA. Auf diversen Wanderschaften lernte er Land und Leute gut kennen, bevor er sich Amerika endgültig zur Heimat machte. Sein Wirken als Zen-Meister begann 1930 in New York mit der Gründung des First Zen Institute of America. Damals war der praktische Zen-Buddhismus in der westlichen Welt noch weitgehend unbekannt. Sokei-an war der erste Zen-Meister, der sich an der Ostküste niederliess. Obwohl er sich, weit von Japan entfernt, gewissermassen ausserhalb des traditionellen Zen-Etablissement bewegte, zeugten seine Worte und Taten von der Echtheit seiner Erfahrung und seiner Verbundenheit mit der universalen Weisheit des Zen-Buddhismus. Beides spiegelt sich auch in seinem Namen. Dieser nimmt Bezug auf den einflussreichen Zen-Meister Hui-neng (638-713), der, ebenfalls ganz auf sich selbst gestellt, im Tal namens Sokei lebte und lehrte. Wie Hui-neng verfügte Sokei-an über ein geniales Talent, das tiefe Gedankengut des ursprünglichen Buddhismus in der Sprache seiner Zeit neu zu beleben und im Alltag zu verwirklichen.

Leseprobe: Sokei-ans Weisheit

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